The Zephyr – Juni 2018
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The Zephyr – Juli 2018

Juli 2018

Liebe Gefährtinnen und Gefährten auf dem Weg,

Grüße aus Indien! Vor drei Wochen feierten wir den 14. Urs meines Vaters in seiner Dargah in Delhi. Wir lauschten einem Vortrag auf der Rudra Vina, trugen einen geweihten Tschadar (Brokattuch) in einer Prozession von Murshids zu Pir Vilayats Grab und rezitierten die Silsila und Gebete. Anschließend trafen wir uns im Hope Project [http://www.hopeprojectindia.org/] und diskutierten über den weiteren Ausbau der wichtigen Aufgaben des Projekts. Eine neue Entwicklung ist die Schaffung eines Zentrums im ländlichen Rajasthan, wo verarmte Stadtkinder die Natur erleben und von ihr lernen können.

Nach dem Urs reisten wir nach Gangotri im Himalaya und blieben bei dem ehrwürdigen Swami Sunderananad, einem alten Freund meines Vaters. Wir meditierten jeden Tag um 4 Uhr morgens und wieder um 17 Uhr in seiner Hütte. Von Gangotri aus wanderten wir nach Gomukh (“das Maul der Kuh”), wo einer der wichtigsten Quellflüsse des Ganges, der Bhagirati Fluss, aus einem Gletscher entspringt. “Lasst den Ganges rückwärts fließen, Yogis, und ihr werdet eine Vision Gottes empfangen”, singt Bullhe Shah. Neben dem rauschenden Fluss sprach ich ein Gebet für euch alle, meine Gefährtinnen und Gefährten auf dem Weg.

Von den Bergen herab pilgerten wir zur Dargah von Khwaja ‘Ala ad-Din ‘Ali Ahmad Sabir, Pir-Bruder von Khwaja Nizam ad-Din Awliya’, in Kaliyar Sharif. Während Khwaja Nizam ad-Din sanftmütig war, wird Khwaja ‘Ala ad-Din als “die Essenz der Manifestation der göttlichen Kraft” in Erinnerung gerufen. Man konnte spüren, wie die Kraft um den Baum herum pulsierte, unter dem er meditierte (oder vielleicht war es ein Nachfahre seines Baumes).
Wir sind jetzt im Maulabakhsh Haus in Baroda, wo wir die Gräber der lokalen Sufi-Heiligen besucht haben. Dazu gehören unter anderem Bawa Man, Ghadiyali Bawa und Sidi Bilal. Bawa Man soll dreißig Meilen rückwärts gelaufen sein, um zu vermeiden, seinem Murshid den Rücken zuzuwenden. Das Grab von Ghadiyali Bawa (“der Uhren-Pir”), das gleichermaßen von Hindus und Muslimen besucht wird, ist ein Schrein, in dem Gläubige Uhren aufhängen, wenn ihre Gebete erfüllt werden. Sidi Bilals Grab wird in Murshids Lehren erwähnt. Die Legende erzählt, dass, als der Maharaja seinen Abriss anordnete, damit die Straße verbreitert werden konnte, das Grab sich mitten in der Nacht zur Seite verschob.

Das Besondere an Baroda ist für uns natürlich, dass es der Geburtsort von Murshid ist. Am 5. Juli hatten wir das Privileg, Murshids 136. Geburtstag in dem Raum zu feiern, in dem er geboren wurde. Hier im Maulabakhsh House wurden mit Bedacht Zimmer für Ashiqs und Murids gebaut. Sie sind herzlich eingeladen, in der ruhigen Stille des Geburtszimmers zu sitzen.* Murshids Anwesenheit ist hier sehr stark.

Immer der Ihrige,
Sarafil Bawa

*Bitte kontaktieren Sie Harunissa Khanim Maulabakhsh im Voraus unter harunissakhanim@hotmail.com oder rufen Sie (0265) 2521096 (Azizunnisa Khanim Maulabakhsh) oder 9376182321 (Imtiyaz Sheikh) an.

Gayan-Kommentar Musik der Sphären: Gamaka-Kommentare, Gayan “Heil meinem Exil vom Garten Eden zur Erde; wenn ich nicht gefallen wäre, hätte ich die Tiefen des Lebens nicht erforscht.” Die Geschichte der Verbannung von Adam und Eva aus dem Garten Eden beschreibt den Abstieg der Seele vom Himmel zur Erde. Die Seele erlebte zunächst das Leben in den himmlischen Sphären als Engel, stieg dann in Form eines Dschinns in das mentale Reich hinab und inkarnierte sich schließlich auf Erden als Mensch.
Während Engel in einer Atmosphäre der reinen Liebe und des Lichts schweben, lebt der Mensch in einer stark von Gegensätzen geprägten Welt. Der freie Wille im Engel ist gering; im Dschinn ist er größer; im Menschen ist er eine gewaltige Kraft.
Weil der Mensch frei ist, ist er zu großem Übel fähig. Andererseits, wenn ein Mensch die Freiheit für einen guten Zweck ausübt – er die Freiheit vervollkommnet durch das freiwillige Aufopfern seiner selbst – wird die Schönheit, die in den Tiefen des Seins verborgen ist, auf eine Weise offenbart, die sonst unmöglich wäre.
Der Mensch unterliegt einer tiefen spirituellen Amnesie, dem Vergessen der Essenz der Realität. Aber gerade weil wir vergessen, sind wir in der Lage, uns zu erinnern. Und die Erinnerung an das Eine ist die Offenbarung des Einen in der des Einen sich ständig erneuernder Manifestation all dessen was ist, was der Zweck der ganzen Schöpfung ist.

Englisches Orginal

Dear Companions on the Path,

Greetings from India! Three weeks ago we celebrated my father’s 14th ‘Urs at his Dargah in Delhi. We listened to a recital of rudra vina, carried a consecrated chadar (brocade sheet) in procession from Murshid’s tomb to Pir Vilayat’s, and recited the Silsila and prayers. Afterward we convened at the Hope Project [http://www.hopeprojectindia.org/] and discussed the continuing expansion of the project’s important work. A recent development is the creation of a center in rural Rajasthan where impoverished city children can go to experience and learn from nature.

After the ‘Urs we traveled to Gangotri in the Himalayas and stayed with the venerable Swami Sunderananad, an old friend of my father’s. We meditated for long stretches in his hut every day at 4 am and again at 5 pm. From Gangotri we hiked to Gomukh (“the mouth of the cow”), where one of the major headstreams of the Ganges, the Bhagirati River, springs from a glacier. “Make the Ganges flow backward, yogis, and you will gain a vision of God,” sings Bullhe Shah. Beside the rushing river I said a prayer for all of you, my companions on the way.

Descending from the mountains we made a pilgrimage to the Dargah of Khwaja ‘Ala ad-Din ‘Ali Ahmad Sabir, pir-brother of Khwaja Nizam ad-Din Awliya’, in Kaliyar Sharif. Whereas Khwaja Nizam ad-Din was of a gentle disposition, Khwaja ‘Ala ad-Din is remembered as “the essence of the manifestation of the Divine Power.” One could feel that power pulsing around the tree under which he meditated (or perhaps it was a descendant of his tree).

We are now at Maulabakhsh House in Baroda, where we have been visiting the tombs of the local Sufi saints. These include, among others, Bawa Man, Ghadiyali Bawa, and Sidi Bilal. Bawa Man is said to have walked thirty miles backwards to avoid turning his back toward his murshid. The tomb of Ghadiyali Bawa (“the clock pir”), visited equally by Hindus and Muslims, is a shrine where devotees hang up clocks when their prayers are fulfilled. Sidi Bilal’s tomb is mentioned in Murshid’s teachings. Legend relates that when the Maharaja ordered its demolition so that the road could be widened, the tomb moved to the side in the middle of the night.

Of course, what is most special about Baroda for us is that it is the place of Murshid’s birth. On July 5th we had the joy of celebrating Murshid’s 136th birthday in the room in which he was born. Rooms have been thoughtfully built here at Maulabakhsh House for ashiqs and murids to stay in when visiting. You are welcome to come and sit in the serene silence of the birth room.* Murshid’s presence is very strong here.

Yours ever,
Sarafil Bawa

* Please contact Harunissa Khanim Maulabakhsh in advance at harunissakhanim@hotmail.com or call (0265) 2521096 (Azizunnisa Khanim Maulabakhsh) or 9376182321 (Imtiyaz Sheikh).

Gayan Commentary Music of the Spheres: Gamaka Commentaries, Gayan “Hail to my exile from the Garden of Eden to earth; if I had not fallen I would not have probed the depths of life.” The story of the exile of Adam and Eve from the Garden of Eden describes the descent of the soul from heaven to earth. The soul first experienced life in the heavenly spheres as an angel, then descended to the mental realm in the form of a djinn, and finally incarnated on earth as a human being.
Whereas angels float in an atmosphere of pure love and light, the human being lives in a world starkly defined by opposites. The free will in the angel is slight; in the djinn it is greater; in the human being it is a formidable force.
Because the human being is free, he or she is capable of great evil. By the same token, when a human being exercises freedom to good purpose—perfecting freedom through the free offering up of oneself—the beauty that is hidden in the depths of being is revealed in a manner otherwise impossible.
Humans are subject to profound spiritual amnesia, the forgetting of the essence of reality. But precisely because we forget, we are enabled to remember. And the remembering of the One is the unveiling of the One in the One’s constantly renewed manifestation of all that is, which is the purpose of the whole creation.