The Zephyr – März 2019
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26. April 2019
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The Zephyr – April 2019

Liebe Gefährtinnen und Gefährten auf dem Weg,

Ich hoffe es geht Ihnen sehr gut. Was für ein seltsamer, wunderbarer, erschreckender, berauschender, erschöpfender und bezaubernder Ort dieses Universums ist. Mögen wir es agilen Schrittes durchschreiten!

Den vergangenen Monat habe ich hier in Richmond damit verbracht, an meinem neuen Buch über die Schriften von Pirzadi-Shahida Noor zu arbeiten. Letztes Jahr habe ich Ihnen geschrieben, wie die Entdeckung von Noors mystischem Drama ‘Aède of the Land and Sea’ meine Augen für eine neue Ebene von Noors Seele geöffnet hat. Seitdem konzentriere ich mich fortwährend auf sie und studiere ihre veröffentlichten und unveröffentlichten Schriften in aller Tiefe. Die Früchte dieser Überlegungen gehen in mein Buch ein.

Noor sah, dass die Welt, in der wir als Menschen leben, eine Welt ist, die wir zu einem großen Teil selbst erschaffen. Und die Welt, die wir erschaffen, ist ein Produkt dessen, was in unseren Köpfen ist. Unser Verstand wiederum wird in der Kindheit prägend geformt. Noor erkannte daher die große Bedeutung der Erfahrungen von Kindern. Was uns in der Kindheit vermittelt wird, führt uns durch unser ganzes Leben.

Noors Leidenschaft galt der Erzählung. Anstatt den Kindern zu sagen, was sie tun und was sie glauben sollen, öffnen Geschichten den Kindern die Augen für die Dilemmas des Lebens und portraitieren anschaulich die Eigenschaften, die mit verschiedenen Verhaltensweisen einhergehen. Noor erzählte östliche und westliche Geschichten nach und erfand ihre eigenen Geschichten, und alle ihre Geschichten inspirieren zu Großzügigkeit, Freundlichkeit, Mut, Demut und Weisheit ohne die geringste Schwere. Eine leuchtende Ritterlichkeit fließt aus Noors Feder.

Ich freue mich darauf, das Ergebnis bald in Form eines fertigen Buches mit Ihnen zu teilen. Aber erst einmal habe ich noch viel zu schreiben!

Immer der Ihrige,

Sarafil Bawa                                      

 

 

 

Gamaka-Kommentare

Musik der Sphären, Vadan

“Wenn ich meine Augen für die äußere Welt öffne, fühle ich mich wie ein Tropfen im Meer. Aber wenn ich meine Augen schließe und nach innen schaue, sehe ich das gesamte Universum als eine Blase, die sich im Ozean meines Herzens erhebt.”

Wenn wir hinaus auf die weite Welt schauen, fühlen wir uns klein im Vergleich zu den immensen Panoramen, die uns umgeben. Quer durch einen Kontinent zu reisen, ist ein langer Weg, sogar mit dem Auto. Um wie viel weiter sind die Planeten und die Sterne entfernt! Unser Körper ist klein, und die Iris unserer Augen ist noch viel kleiner. Und doch umfässt diese kleine Iris irgendwie weit entfernte Berge und sogar ferne Sterne! Unser Verstand ist noch kleiner, so klein, dass man ihn überhaupt nicht sehen kann, und doch umfasst er nicht nur alles, was wir jetzt sehen, sondern alles, was wir je gesehen und gehört und gerochen und geschmeckt und berührt haben, und alles, was wir uns vorstellen können. Im Zentrum dieser Winzigkeit unseres menschlichen Zustandes findet sich eine Weite ohne Ende. Wir nennen es das Herz. 

Wenn das Herz durch die Augen des Körpers hinausschaut, ist es fasziniert von den sich erhebenden und fallenden Wellen der Welt. Aber wenn die Augen geschlossen sind, kehrt sich der Ozean um. Das Herz selbst ist jetzt das Meer. Jede Welle ist des Herzens eigene Aufruhr, und die große weite Welt ist so viel Schaum und Gischt.

 

 

 

Englische Original-Version

 

Dear Companions on the Path,

I hope this finds you very well. What a strange, marvelous, terrifying, intoxicating, fatiguing, and rapturous place this universe is. May we walk through it with agile steps!

I have spent the last month here in Richmond working on my new book on Pirzadi-Shahida Noor’s writings. I wrote to you last year about how the discovery of Noor’s mystical drama Aède of the Land and Sea opened my eyes to Noor’s soul on a new level. Since then I have been constantly concentrating on her and studying her published and unpublished writings in-depth. The fruits of these reflections are going into my book.

Noor saw that, as human beings, the world we inhabit is one that, to a great extent, we create ourselves. And the world we create is a product of what is in our minds. Our minds, in turn, are formatively molded in childhood. Noor recognized, therefore, the great importance of the experiences of children. What we are shown in childhood guides us throughout our lives.

Noor’s passion was for stories. Instead of telling children what to do and what to believe, stories open children’s eyes to the dilemmas of life and portray in sharp relief the qualities associated with different ways of being. Noor retold Eastern and Western tales and invented her own tales, and all of her tales inspire generosity, kindness, courage, humility, and wisdom without the slightest heavy-handedness. A glowing chivalry flows from Noor’s pen.

I look forward to sharing my findings with you soon, in the form of a completed book. For now, I still have more to write!

Yours ever,

Sarafil Bawa                           

 

 

Gamaka Commentaries

Music of the Spheres:, Vadan

“When I open my eyes to the outer world, I feel myself as a drop in the sea; But when I close my eyes and look within,I see the whole universe as a bubble raised in the ocean of my heart.”

 

When we look out on the wide world, we feel small in comparison with the enormous vistas that surround us. To travel across a continent is a long journey, even by car. How much further are the planets and the stars! Our bodies are small, and the irises of our eyes are much smaller still. And yet, somehow, these little irises encompass faraway mountains, and even faraway stars! Our mind is yet smaller, so small it cannot be seen at all, and yet it encompasses not only all that we now see, but all that we have ever seen and heard and smelt and tasted and touched, and all that we can possibly imagine. At the center of the minuteness of our human condition is a vastness without end. We call it the heart.

When the heart looks out through the eyes of the body it is mesmerized by the rising and falling waves of the world. But when the eyes are closed the ocean turns inside out. The heart itself is now the sea. Every wave is the heart’s own churning, and the great wide world is so much froth and foam.

 

 

 

The Zeyphyr – April 2019

Liebe Gefährtinnen und Gefährten auf dem Weg,

Frühlingsgrüße! Ich hoffe, Sie genießen den Sonnenschein.

Hier im Astana haben wir gerade eine Zusammenkunft abgehalten, bei der wir den Sufi-Weg mit dem Titel ‘Der Weg der Erleuchtung’ vorgestellt haben. Ich finde, dass die grundlegendsten Aspekte des Weges auch die wichtigsten sind, so dass ich nicht müde werde, über das Wesentliche nachzudenken. Außerdem ist es immer wieder ein Vergnügen, neue Freunde kennenzulernen.

Im März waren wir Gastgeber von Jamiat Khas und Jamiat Am der Esoteric School. Wir blickten zurück auf die Methoden des Zikr, der Kontemplation und der Atemkontrolle, die sich in Mughal Indien verbreiteten – und wir blickten nach vorne – auf die besonderen Probleme und Perspektiven, mit denen unsere heutige “dritte Welle” des Sufismus im Westen konfrontiert ist.

In der Zwischenzeit geht die Arbeit an meinem Buch über die Schriften von Pirzadi-Shahida Noor weiter. In den letzten Wochen habe ich über die Geschichten in König Akbar’s Tochter geschrieben. Wenn Sie es nicht gelesen haben, empfehle ich Ihnen diese Sammlung dringend. Noors Geschichten sind perfekte Gute-Nacht-Geschichten für Derwische.

Ein weiteres Buch, das ich empfehle, ist der gerade veröffentlichte dritte Band der Centennial Edition von Murshids Sufi-Botschaft. Das Thema ist die Kunst der Persönlichkeit. Es ist geplant, dass ich im April und Mai vier Webcast-Vorträge über den Band halte und weitere vier im Oktober. Ich lade Sie ein, mit mir gemeinsam in dieses große ritterliche Buch einzutauchen.

Am Mittwoch reise ich nach Deutschland zu unserem jährlichen Oster-Retreat in Gersfeld. Europäische Freunde, ich freue mich darauf, Sie dort zu sehen!

Immer der Ihrige,

Bawa

Gamaka-Kommentare

Musik der Sphären, Vadan

“Die Schriften haben Ihn den Schöpfer genannt, die Freimaurer haben Ihn den Architekten genannt, aber ich kenne Ihn als den Schauspieler auf dieser Bühne des Lebens.”

Gott ist der Schöpfer, Gestalter und Erbauer des Universums.

Wie kann Gott der Schöpfer sein? Alle Wirkungen haben ihre Ursachen, alle Ursachen haben ihre vorangegangenen Ursachen, und die gesamte Kette der Ursachen gipfelt schließlich in dem Göttlichen Wesen. Hinter jeder Wirkung steht eine Ursache, aber nichts steht hinter der Ersten Ursache, Deren Herrlichkeit die Engel ewig singen.

Wie ist Gott der Gestalter? Von der kleinsten Schneeflocke bis zur riesigsten Galaxie ist in allem eine Kunstfertigkeit von unermesslichem Ausmaß zu sehen. Die alles überragende Architektur des Universums offenbart das Werk einer grenzenlosen Intelligenz.

Wie ist Gott der Baumeister? Der Kosmos ist eine Emanation des Göttlichen Lebens. In diesem Spiegelpalast ist jedes Gesicht eine Spiegelung des Antlitzes des Einen. Der/die/das Eine trägt unzählige Kostüme und handelt in unzähligen Rollen. So ist die Welt, die wir kennen, aufgebaut. In der Welt, die wir noch nicht kennen, werden alle Masken und Spiegel entfernt. Dann wird ein einziges Antlitz allein gesehen, das unendliche Licht geoffenbart.

Englische Version

Dear Companions on the Path,

Spring greetings! I hope you are enjoying the sunshine.

Here at the Astana we’ve just held a gathering introducing the Sufi path, entitled The Way of Illumination. I find that the most basic aspects of the path are also the most vital, so I never tire of reflecting on the essentials. Moreover, it is always a pleasure to meet new friends.

In March we hosted the Jamiat Khas and Jamiat Am circles of the Esoteric School. We looked back—to the methods of zikr, contemplation, and breath control that proliferated in Mughal India—and we looked forward—to the unique problems and prospects confronted by our contemporary “third wave” of Sufism in the West.

Meanwhile, work continues on my book on Pirzadi-Shahida Noor’s writings. Over the last weeks I’ve been writing about the stories in King Akbar’s Daughter. If you haven’t read it, I strongly recommend this collection. Noor’s tales are perfect bedtime stories for dervishes.

Another book I recommend is the just-published third volume of the Centennial Edition of Murshid’s Sufi Message. The subject is the art of personality. I am scheduled to give four webcast lectures on the volume in April and May, and another four in October. I invite you to join me in delving into this great chivalric book.

Wednesday I travel to Germany for our annual Easter retreat in Gersfeld. European friends, I look forward to seeing you there!

Yours ever,

Bawa

Gamaka Commentaries

Music of the Spheres, Vadan

“The scriptures have called Him the Creator, the Masons have termed Him the Architect, but I know Him as the Actor on this stage of life.”

God is the Maker, Molder, and Builder of the universe.

How is God the Maker? All effects have their causes, all causes have prior causes, and the entire chain of causation at last culminates in the Divine Being. Behind every effect there is a cause, but nothing stands behind the First Cause, Whose glory the angels eternally sing.

How is God the Molder? From the smallest snowflake to the vastest galaxy, an artistry of unfathomable proportions is everywhere to be witnessed. The soaring architecture of the universe reveals the workings of a limitless intelligence.

How is God the Builder? The cosmos is an emanation of the Divine Life. In this palace of mirrors, every face is a reflection of the Face of the One. The One wears countless guises and acts innumerable parts. Thus the world we know is built. In the world we are yet to know, all the masks and mirrors will be removed. Then one Face will be seen alone, the infinite Light revealed.